Singende Steine. Von versteinerten Psalmen und dem Klang des Schweigens

Die Kapitelle im Kreuzgang der Benediktinerabtei Cluny, einem der bedeutendsten religiösen Zentren des Mittelalters, bergen eine Sensation: finden sich doch dort Abbildungen von Musikinstrumenten mit zugeordneten Inschriften, die eindeutig auf die acht Psalmtöne und deren Wirkung auf das menschliche Gemüt hinweisen!

Das montalbâne Ensemble spürt mit Gesängen der europäischen Gregorianik diesen Verbindungen nach und begibt sich auf die Spuren der Mönche, die Zeit ihres Lebens in den Kreuzgängen romanischer Klöster wandelten und meditierten. Ob sie dabei innerlich sangen? Ob ihnen die steinernen Bilder, die sie tagtäglich sahen, geistige Anregung waren? Wir können das heute nur vermuten.

Freuen Sie sich auf ein bewegtes Konzert, das mit den Dimensionen und Proportionen der beeindruckenden Portenser Klosterkirche spielt. Hierbei wird jedem Psalmton ein Instrument und eine besondere Stimmung zugeordnet.

 

Das »montalbâne Ensemble« ist eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen in Mitteldeutschland ansässigen Musikern mit internationalem Renommee, die sich auf mittelalterliche und traditionelle Musik spezialisiert haben, und dem Festival »montalbâne«. Das Ensemble erforscht in verschiedenen Konzertprojekten das reiche Spektrum der Abendländischen Musik des Mittelalters und verbindet sie mit traditionellen europäischen Gesangsstilen, immer auf der Suche nach einem authentischeren Klangbild, als es die heute vielfach praktizierte Perfektion der Aufführungen mittelalterlicher Musik bietet. Die Konzeption der Programme und die Probenarbeit finden auf Schloss Goseck, einer ehemaligen Benediktinerabtei mit romanischer Klosterkirche, statt. 2015 wurde das »montalbâne Ensemble« für seine Aktivitäten mit dem »Romanikpreis 2014 in Gold« geehrt.

 

Susanne AnsorgFidel, Rebec, Psalterium, Citole, Glockenspiel

Cora SchmeiserGesang, Symphonia, Klangschalen

Sebastian PankGesang, Harfe, Flöte

Michael SchaffrathGesang

Robert WeinkaufGesang

Dietrich ZöllnerGesang, Fidel, Triangel

 

Susanne Ansorg studierte Germanistik, Musikwissenschaft und Musikpädagogik an der Universität Leipzig sowie mittelalterliche Streichinstrumente und Musiktheorie des Mittelalters an der Schola Cantorum Basiliensis. Konzerte in ganz Europa, Nord- und Südamerika, Australien und Japan. Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der mittelalterlichen Instrumentenkunde (»Die Bordunfidel als Konzept frühen Harmoniedenkens«) und Aufführungspraxis (Schwerpunkt Liedbegleitung). Projektleitung, Lehraufträge und Workshops zur Musik des Mittelalters (u.a. Humboldt-Universität Berlin, Mozarteum Salzburg, Folkwang-Universität Essen). Integrative Musikprojekte mit musikalischen Analphabeten aus Mitteldeutschland und Geflüchteten aus Afrika und dem Nahen Osten. Künstlerische und organisatorische Leitung des Internationalen Festivals für mittelalterliche Musik »montalbâne«.

 

Sebastian Pank wurde 1967 in Leipzig geboren und wuchs in einer Musikerfamile auf. Seit seiner frühen Kindheit lernte er Klavier, später als Schüler noch Oboe. Nach der Schule studierte er ein Jahr Kirchenmusik, erlernte einen Metallberuf und studierte Saxophon und Jazz. Bereits während der Schulzeit interessierte er sich mehr und mehr für die alte Musik und gründete mit Freunden bereits 1984 das Ensemble IOCULATORES, mit dem er zahlreiche Konzerte im In- und Ausland gab und einige CDs veröffentlichte. Außerdem arbeitete er später im Nebenamt als Kirchenmusiker und spielte Jazz und improvisierte Musik mit anderen Ensembles. 1993 gründete er das CD-Label RAUMKLANG, arbeitet seitdem vor allem als Produzent und Tonmeister für seinen Verlag. Im Jahr 2001 rief er gemeinsam mit IOCULATORES das Festival für mittelalterliche Musik in Freyburg/Unstrut »montalbâne« ins Leben und ist seitdem einer der Organisatoren. Seit 1998 lebt und arbeitet er auf Schloß Goseck in Sachsen-Anhalt: er gründete und leitete das dort ansässige Musik- und Kulturzentrum und veranstaltet viele Konzerte.

 

Robert Weinkauf ist Sänger und Gitarrist. Seit Mitte der Achtziger Jahre aktiv, spezialisierte er sich als Ensemble-Mitglied der Leipziger Ioculatores auf eigenständige Interpretationen der Lieder deutscher Minnesänger. Im montalbâne Ensemble, Träger des Romanikpreises in Gold, beschäftigt er sich außerdem mit gregorianischen Gesängen. Parallel treibt es ihn mit dem Kammerbeat-Trio The But seit fast zwanzig Jahren stilistisch immer wieder in die Musik der Beat-Ära des 20. Jahrhunderts. Auf Schloss Goseck ist Robert Weinkauf als Organisator verschiedenster Veranstaltungen tätig und ist beliebter Gastgeber für Führungen durch die dortige Schlosskirche und ihre nahezu eintausendjährige Geschichte.

 

Dietrich Zöllner studierte Violoncello an der Musikhochschule Dresden. Beschäftigung mit Alter Musik bei Prof. Gerhard Darmstadt in Hamburg. Begegnung mit Salonmusik und Schlagern der 20er Jahre. Nach dem Studium Cellist im Philharmonischen Orchester Cottbus. 1990–1995 Bühnenmusiker am Staatsschauspiel Dresden. 1993–2013 Mitglied der Gruppe DAS BLAUE EINHORN (Weltmusik, Folklore, Chansons, Klezmer). Seit 2001 Musiklehrer an der Kreuzschule Dresden.

 

Cora Schmeiser gestaltet als Sängerin und Stimmkünstlerin Konzerte und Performances. Das Spiel von Wort, Textinhalt, Stimmklang und Melodien des Mittelalters wie der Gegenwart bilden die Grundlage ihrer Arbeit.

Cora studierte in Frankfurt am Main Gesangs- und Instrumentalpädagogik wie klassischen Gesang am Königlichen Konservatorium zu Den Haag mit einer Vorliebe für Alte Musik wie Musik des Mittelalters und spezialisierte sich als Mitglied des Niederländischen VokalLab (heute Silbersee) auf Moderne Musik.

In Festivals wie Wien Modern, November Music, Operatage Rotterdam, Wunderhören und Festival gegen den Strom (Musiksommer Rheinland-Pfalz) trat sie mehrfach auf. Zu sehen und hören war sie in Theaterproduktionen wie Doedada mit Theatergruppe Hotel Modern, Kurt Schwitters – der verrückte Antibürger Songbooks von John Cage sowie die Soloopern Vier und das Ordo virtutum von Hildegard von Bingen mit Ars Choralis Coeln. Zu den variierten und grenzüberschreitenden Programmen von Ars Choralis Coeln trägt Cora gerne ihr musikalisches und farbenfrohes »Mosaiksteinchen« seit Gründung des Ensembles bei.

In ihren Programmen Hier und dort wie Vox Sanguinis – die Stimme des Blutes, dit en dat (Lunyala Trio) und Klang der Mystik (Ensemble Nu:n) hat Cora eine Form gefunden, in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Komponisten und MusikerInnen ihre beiden Faszinationen für die Musik des Mittelalters wie der Modere verschmelzen zu lassen.

www.coraschmeiser.nl

 

Michael Schaffrath

Diskographie

www.five-gentlemen.de

 

(Foto: Stefanie Stirnweiss)

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