Ars Choralis Coeln

ARS CHORALIS COELN

UNIO MYSTICA
Das Feuer des Geistes in den Gesängen der Hildegard von Bingen

»Dann sah ich eine ganz durchsichtige Atmosphäre. In ihr vernahm ich auf wundersame Weise den unterschiedlichen Klang von Harmonien. Und diese Stimmen waren wie die Stimme einer Menge, wenn eine Menge laut ihre Stimme erhebt. Ihr Schall durchdrang mich so, dass ich sie unschwer und schnell verstand. Und ich hörte eine Stimme aus dieser durchsichtigen Atmosphäre zu mir sprechen...« (Aus der 13. Vision von »Scivias«)

 

Im 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der die meisten Werke von anonymen Komponisten stammten, hinterließ Hildegard von Bingen (1098-1179) den größten Bestand eindeutig zuschreibbarer Musik: liturgische Gesänge, die in ihrer Klostergemeinschaft Teil des täglichen Stundengebetes waren und später unter dem Titel »Symphonia armoniae celestium revelationum« (Symphonie der Harmonie himmlischer Offenbarung) zu einem Zyklus zusammengefasst wurden.

Hildegards mystische Visionen führen tief in die innerste Mitte der Schöpfung. In ihrer Musik, in ihrer Schau von Licht- und Klangerscheinungen, strebt sie die »Unio Mystica« an, die himmlische Vereinigung mit Gott. Erst im hohen Alter beschreibt Hildegard, wie sie ihre Visionen empfängt: Es sind Zustände, in denen »die Seele emporsteigt« und die sie »ohne Vermittlung meiner fünf Sinne« und »ohne jemals die Bewusstlosigkeit einer Ekstase erlitten zu haben« erfährt.

Im Gesang erkennt Hildegard von Bingen eine Möglichkeit, die seelischen und emotionalen Kräfte des Menschen zu wecken und auf sie einzuwirken, denn die Seele des Menschen sei nach göttlichem Abbild klingend gestaltet und damit »symphonisch« gestimmt: »Anima symphonialis est«. Hildegard weist hier auf den vielschichtigen Begriff vom harmonischen Aufbau der Seele hin: Sie ist Abbild des gewaltigen Kosmos, einer »Musica mundana«, der Harmonie aller Sphären: »Und so hat jedes Element seinen eigenen Klang, einen Urklang aus der Ordnung Gottes.« Auch des Menschen Seele hat »tief in sich diesen schön geordneten Urklang, und sie ist selber die Melodie des schönen Klanges«

 

Maria Jonas – Leitung, Gesang, Tambura

Nadine Balbesi – Gesang

Stefanie Brijoux – Gesang

Cora Schmeiser – Gesang

Susanne Ansorg – Fidel, Glockenspiel, Gesang

 

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